Wohneigentum wird in Deutschland zum Luxusgut

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Die Immobilienpreise in Deutschland steigen so rasant, dass sie inzwischen sogar höher sind als in Frankreich oder den Niederlanden. Eine wichtige Altersgruppe hat immer öfter das Nachsehen.

Wer sich über die hohen Wohnungspreise in Deutschland beklagt, bekommt manchmal einen gut gemeinten Vergleich zu hören: Es sei doch alles halb so wild – in anderen Staaten Europas sei die Lage für Mieter und Käufer noch viel schlimmer. Man möge doch mal nach Frankreich oder Großbritannien oder in die Benelux-Länder schauen, dort sei es noch teurer.

Doch genau das trifft offenbar nicht mehr zu. Mieter und Käufer müssen hierzulande inzwischen mehr zahlen als in Frankreich oder den Niederlanden, wie der Projektentwickler BPD Immobilienentwicklung in einer Studie ermittelt hat. Für die Untersuchung wurden mehr als 4000 Verbraucher befragt. Das Ergebnis zeigt also keine von Instituten ermittelten Angebotspreise, sondern die realen Zahlungsverpflichtungen privater Haushalte.

BPD zufolge verlief der Preisanstieg in deutschen Städten in den vergangenen Jahren so rasant, dass das Niveau in den Niederlanden oder Frankreich, wo das Unternehmen ebenfalls tätig ist, inzwischen übertroffen wird. In München seien die Ausschläge am größten. Der Studie zufolge kostet dort eine Neubauwohnung im Schnitt mehr als 7500 Euro pro Quadratmeter. Hamburg und Berlin näherten sich einem Quadratmeterpreis von 5000 Euro an, im Rhein-Main-Gebiet stiegen die Preise binnen kürzester Zeit auf 4000 Euro.

Akzeptierte Preise in Deutschland explodieren

Der durchschnittliche Verkaufspreis liege über alle Metropolregionen hinweg zwischen 3500 und 4000 Euro pro Quadratmeter. In den Niederlanden reichen die Durchschnittspreise dagegen von etwa 2900 Euro pro Quadratmeter bis über 3600 Euro. Ein Gradmesser für die plötzliche Preisexplosion in Deutschland ist auch die Entwicklung des Kaufpreises, den Immobilienkäufer bereit sind zu akzeptieren. Von 2011 bis 2016 stieg dieser akzeptierte Preis für Eigentumswohnungen in Frankreich von 3102 Euro auf 3188 Euro pro Quadratmeter. In den Niederlanden fiel das Niveau sogar von 2435 auf 2355 Euro. In Deutschland dagegen gab es binnen fünf Jahren einen Anstieg von 1861 Euro auf 3032 Euro pro Quadratmeter.

Bezieht man Reihenhäuser und Neubauten mit in den Vergleich ein, liegen deutsche Immobilien nun über dem Niveau in den beiden anderen Ländern. Verglichen wurden übrigens neben den großen Metropolen auch kleinere Städte, beispielsweise rund um den Bodensee oder im Rhein-Neckar-Gebiet sowie Orte wie Lyon, Nizza, Amsterdam oder Utrecht. Die Miet- und Kaufpreise in den deutschen Städten liegen 20 bis 25 Prozent über denen in französischen und niederländischen.

Als Grund für den Preisanstieg hat BPD höhere Baulandpreise ausgemacht. Das wiederum sei auf den Bevölkerungszuwachs in den Städten zurückzuführen. In wirtschaftsstarken Standorten sei mit einer Umkehrung des Trends mindestens bis 2021 nicht zu rechnen, meinen die Autoren der Studie. Denn Deutschland habe versäumt, rechtzeitig mit dem Neubau von Wohnungen zu beginnen – anders als etwa Frankreich. Dort wurden in den vergangenen 15 Jahren durchschnittlich 400.000 neue Wohnungen pro Jahr errichtet. Die Bundesrepublik kommt im gleichen Zeitraum auf gut 200.000 Einheiten.

von  Michael Fabricius | Stand: 28.01.2017 |Die Welt|

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